Arbeit führt wieder häufiger zu Unfällen

Mit dem konjunkturellen Aufschwung am deutschen Arbeitsmarkt sind auch die Arbeitsunfälle gestiegen, wie eine aktuelle Statistik zeigt.


29.8.2011 (verpd) Die gute konjunkturelle Wirtschaftsentwicklung, aber auch der strenge Winter zu Jahresbeginn und am Jahresende 2010 haben nach Angaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung e.V. (DGUV) zu mehr Arbeits- und Wegeunfällen geführt. Das Risiko eines Arbeitsunfalls hat sich 2010 genauso erhöht wie die Zahl der Arbeits- und Wegeunfälle mit tödlichem Ausgang. „Es ist ein typischer Reflex, dass bei anziehender Konjunktur und Beschäftigung auch die absolute Zahl der Arbeitsunfälle zunimmt“, betonte DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Breuer im Frühjahr diesen Jahres. Er erklärte zudem, dass eine Aussage, ob auch das relative Unfallrisiko steige, erst im Sommer gemacht werden könne, wenn die Geschäfts- und Rechnungsergebnisse für 2010 und damit die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden vorlägen. Die nun aktuell vorliegenden Daten der DGUV für 2010 spiegeln nicht nur die sich erholende deutsche Wirtschaftsleistung wider. Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden erhöhte sich um 3,2 Prozent auf 59,106 Milliarden Stunden. Parallel zu dieser Entwicklung zeigt sich auch ein leicht erhöhtes Risiko, einen Unfall auf dem Arbeitsweg oder bei der Berufsausübung zu erleiden.

Knapp acht Prozent mehr Unfälle am Arbeitsplatz

Laut Statistik hat sich das Risiko von 24,3 Unfällen je 1.000 Vollarbeiter auf 25,8 Unfälle erhöht. Das Unfallrisiko liegt aber immer noch unter dem des Jahres 2008 von 26,8. Die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle stieg im Jahr 2010 um gut 68.000 auf 954.459, ein Plus von 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Je eine Million geleisteter Arbeitsstunden entspricht dies einer Unfallzahl von 16,15, wobei die Menge der geleisteten Arbeitsstunden selbst um 3,25 auf rund 59,1 Milliarden zunahm. Die deutliche Zunahme der Unfälle auf dem Weg von und zur Arbeit erkläre sich durch die winterliche Rutsch- und Sturzgefahr, so die DGUV. Die Zahl der Wegeunfälle stieg 2010 um 25,4 Prozent beziehungsweise 45.000 auf insgesamt 223.973. Die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle erhöhte sich um 63 auf 519, die der Wegeunfälle mit tödlichem Ausgang stieg um fünf auf 367.

Zahl der Berufskrankheiten umstellungsbedingt deutlich gestiegen

Die Zahl der bestätigten Berufskrankheiten stieg signifikant um rund ein Fünftel (22,1 Prozent) an. Der Grund liege in einer veränderten Verwaltungspraxis, erklärte Breuer. „Bei einem Großteil der bestätigten Berufskrankheiten handelt es sich um Hautkrankheiten. Bislang wurden erfolgreich behandelte Hautkrankheitsfälle als abgelehnte Berufskrankheiten gezählt. Diese Praxis wurde jetzt korrigiert“, so der DGUV-Hauptgeschäftsführer. Allerdings ist die Anerkennung einer Berufskrankheit Voraussetzung für die Zahlung einer Rente von der gesetzlichen Unfallversicherung. Eine Rente wird ab einer Minderung der Erwerbsfähigkeit von mindestens 20 Prozent gezahlt. Die Zahl der anerkannten Berufskrankheiten ging 2010 um 3,8 Prozent auf 15.461 zurück. 2.486 Menschen verloren infolge einer Berufskrankheit ihr Leben. Das sind 10,2 Prozent weniger als im Vorjahr.

Auch die Schüler-Unfallversicherung wurde häufiger in Anspruch genommen

Unter den von der DGUV erfassten gut 75,5 Millionen Personen waren rund 17,1 Millionen Kindergartenkinder, Schüler und Studierende. Hier wurden 1,3 Millionen meldepflichtige Unfälle registriert, was einem Plus von 4,5 Prozent entspricht. Die Zahl der tödlichen Schulunfälle ging von 14 auf sechs zurück. Daneben nahm die Zahl der Schulwegunfälle um 7,8 Prozent auf 124.572 Fälle zu. Tödlich endeten 50 Schulwegunfälle, das sind fünf mehr als 2009. In der allgemeinen Unfallversicherung sind Arbeits- und Wegeunfälle meldepflichtig, wenn sie zu einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen oder zum Tode führen. In der Schüler-Unfallversicherung besteht Meldepflicht, wenn ein Schul- oder Schulwegunfall eine ärztliche Behandlung notwendig macht oder zum Tod führt.

Begrenzter gesetzlicher Schutz

Arbeitnehmer stehen überwiegend nur bei Arbeitsunfällen beziehungsweise bei Unfällen auf dem Weg von und zur Arbeitsstelle unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Schüler und Kindergartenkinder sind ausschließlich auf dem Weg von und zur Schule oder zum Kindergarten und während des Besuchs dort gesetzlich abgesichert. Für Unfälle in der Freizeit leistet die gesetzliche Unfallversicherung grundsätzlich nicht, obwohl hier am meisten passiert. Selbstständige, Hausfrauen oder -männer sowie Kleinkinder sind in der Regel überhaupt nicht gesetzlich unfallversichert. Bezahlt werden von der gesetzlichen Unfallversicherung nach festen Vorgaben unter anderem Behandlungen und Reha-Maßnahmen. Führt der Unfall zu einer Minderung der Erwerbsfähigkeit, gibt es je nach Erwerbsunfähigkeitsgrad eine Rente. Bei 100 Prozent Erwerbsunfähigkeit beträgt die Vollrente maximal zwei Drittel des Jahresverdienstes.

Leistungen nicht nur bei Unfall

Im Gegensatz zur gesetzlichen Unfallversicherung können sich mit privaten Versicherungsverträgen alle nach ihren individuellen Bedürfnissen absichern. Eine private Unfallversicherung leistet beispielsweise meist weltweit und rund um die Uhr, also sowohl bei Unfällen im Beruf als auch in der Freizeit. Mit einer vorher vereinbarten Kapitalsumme im Invaliditätsfall lassen sich zusätzliche Aufwendungen für eine behindertengerechte Wohnung auffangen. Sollte durch Unfall oder auch durch Krankheit die Arbeitskraft auf Dauer eingeschränkt bleiben, zahlt eine private Berufs- und /oder Erwerbsunfähigkeits-Police unter anderem eine vorher vereinbarte Rente. Damit könnte der bisherige Lebensstandard gesichert werden. Entsprechende Policen gibt es für Arbeitnehmer und Selbstständige, aber auch für Studenten, Auszubildende sowie Nichterwerbstätige. Für Kinder werden oftmals besondere Invaliditäts-Versicherungen angeboten. Eine private Krankentagegeld-Versicherung für Selbstständige oder Arbeitnehmer kann zudem mögliche Einkommenseinbußen bei unfall-, aber auch sonstiger krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit ausgleichen. Denn auch die gesetzliche Krankenversicherung leistet in der Regel keinen 100-prozentigen Einkommensersatz. Ein Versicherungsfachmann hilft, den individuell passenden Versicherungsumfang zu ermitteln.


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