Drohende Altersarmut trotz steigenden Rentenalters

Schon jetzt geht mehr als die Hälfte der Rentner mit Abschlägen in den Ruhestand. Experten befürchten, dass auch die ab nächstem Jahr einsetzende Anhebung des gesetzlichen Rentenalters von 65 auf 67 Jahre das Risiko der Altersarmut nicht verbessert.


11.4.2011 (verpd) Die Umstellung auf das gesetzliche Rentenalter von 65 auf 67 wird voraussichtlich 2031 abgeschlossen sein. Ab dann soll die Rente mit 67 für alle gelten. Ob die Erwerbstätigen allerdings tatsächlich so lange arbeiten können und werden, wird sich zeigen. Experten bezweifeln das. Die Forscher Prof. Dr. Matthias Knuth und Dr. Martin Brussig vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen leiten das von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Projekt „Altersübergangsreport“. Sie sehen in der Anhebung des Rentenalters diverse Probleme.

Steigendes Rentenalter

Zum einen müssten sich ihrer Meinung nach die Beschäftigungschancen für Ältere im Vergleich zu heute deutlich verbessern. Zum anderen wäre es notwendig, dass sich die körperlichen und seelischen Arbeitsbelastungen über das ganze Erwerbsleben hinweg reduzierten, damit eine Erhöhung des tatsächliche Rentenalters wirklich möglich wäre. Laut Bundesregierung lag das häufigste Lebensalter beim Beginn einer Altersrente im Jahre 2000 bei 60 Jahren. 2008 waren es bereits 65 Jahre. Knuth und Brussig relativieren jedoch diese Erfolgsmeldung: „Sie beruht auch darauf, dass gegenwärtig viele dieser Rentner aus der passiven Phase der Altersteilzeit in den Ruhestand wechseln – und somit nicht wirklich aus einer Erwerbstätigkeit.“

Arbeitslosigkeit im Alter

Darum müsse sich erst noch zeigen, schreiben die Wissenschaftler, ob der tatsächliche Erwerbsaustritt auch nach dem Auslaufen der staatlich geförderten Altersteilzeit weiterhin aufgeschoben werden könne. In einer Analyse der Rentenreform gehen Brussig und Knuth davon aus, dass die Rente mit 67 ähnliche Effekte haben dürfte wie die bisherigen Reformen, die auf eine Verlängerung des Arbeitsleben zielten: „Es erhöht sich zwar die Erwerbsbeteiligung Älterer, doch mehr über 60-Jährige müssen die Zeit bis zur Rente mit prekären Jobs und in Arbeitslosigkeit überbrücken. Das hat längst deutliche Auswirkungen auf die Höhe der Altersversorgung.

Rentenabschläge sind üblich

Gegenwärtig geht rund die Hälfte der Altersrentnerinnen und -rentner vorzeitig und mit Abschlägen in den Ruhestand. Lediglich Männer, die aus stabiler Beschäftigung in Rente gehen, schaffen es mehrheitlich, ohne Abschläge durchzukommen – und viele von ihnen haben die Altersteilzeit in Anspruch genommen. In allen anderen Gruppen – Frauen sowie Männer in gelegentlicher oder längerer Arbeitslosigkeit – müssen 60 bis 80 Prozent der Neurentner Abschläge hinnehmen“, so die Wissenschaftler. „Durch die Rentenreformen haben sich der Charakter und die Bedeutung von Arbeitslosigkeit jenseits der 60 stark gewandelt. In den 1990er-Jahren war späte Erwerbslosigkeit noch der Ausgangspunkt zur materiell abgesicherten Frühverrentung“, so Brussig und Knuth. Seit dem Ende der Frühverrentungspolitik sei sie hingegen „zunehmend Bestandteil eines prekären Altersübergangs“ geworden.

Schwieriger Rentenübergang

Jeder dritte Neurentner des Jahres 2007 habe einen problematischen Ausstieg aus dem Arbeitsleben hinter sich mit Langzeitarbeitslosigkeit von mindestens drei Jahren oder einen um zwei Jahre vorzeitigen Rentenbezug, berichten die Wissenschaftler. Auch Teilzeit und Minijobs kommen bei den über 55-Jährigen häufig vor. Diese Altersklasse leidet auch darunter, so sind die Experten überzeugt, dass die seit den Hartz-Gesetzen praktizierte Arbeitsmarktpolitik an ihr vorbeigeht. Ältere würden wenig bis gar nicht gefördert, bemängeln Brussig und Knuth. Sie werden ohnehin bald die Arbeitslosenstatistik verlassen: Wer 63 ist und Hartz IV bezieht, muss möglichst rasch seine Rente anmelden. Auch dies führe dazu, dass Rentenabschläge inzwischen weitverbreitet sind und das Risiko von Altersarmut wächst.

Vorausschauendes Handeln ist gefragt

Wer weder vorhat bis zu seinem 67 Lebensjahr zu arbeiten noch im Alter auf seinen bisherigen Lebensstandard zu verzichten, sollte bereits möglichst früh eine sinnvolle Altersvorsorge aufbauen. Dies kann über eine betrieblich sowie staatlich geförderte und/oder private Anlageform erfolgen. Wie hoch die voraussichtliche Rentenlücke ohne zusätzliche Vorsorge tatsächlich sein wird und welche individuell passenden Altersvorsorgeformen für den Einzelnen infrage kommen, können bei einem Versicherungsexperten erfragt werden.


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