Foul oder Vorsatz?

Immer wieder kommt es bei Mannschaftssportarten zu unsportlichem Verhalten. Ein Gericht hatte vor Kurzem die Frage zu klären, ob ein Sportler haften muss, wenn er einen gegnerischen Spieler durch einen Regelverstoß körperlich verletzt.


22.10.2012 (verpd) Wer einen gegnerischen Spieler bei einer Mannschaftssportart verletzt, ist nur dann zur Zahlung von Schadenersatz und Schmerzensgeld verpflichtet, wenn er bewusst eine ernsthafte Verletzung seines Gegenspielers in Kauf genommen hat. Das hat das Oberlandesgericht Karlsruhe kürzlich entschieden (Az.: 4 U 256/11). Geklagt hatte ein Eishockeyspieler. Dieser war von einem Spieler der gegnerischen Mannschaft von schräg hinten Richtung Bande gestoßen worden, um so dessen Angriff auf das Tor zu behindern.

Berufsunfähig

Bei dem anschließenden Sturz wurde der Kläger so erheblich verletzt, dass er zweimal an der linken Schulter operiert werden musste. Seinen Beruf als Eishockeyspieler kann er wegen des Unfalls nicht mehr ausüben. Seine Berufsgenossenschaft erkannte den Unfall als Berufsunfall an. Sie finanziert dem Kläger unter anderem eine Umschulung. Doch das reichte ihm nicht aus. Er behauptete, von dem Gegenspieler vorsätzlich verletzt worden zu sein. Dieser sei ihm daher zur Zahlung von Schadenersatz und Schmerzensgeld verpflichtet. Denn der Grundsatz eines stillschweigenden Haftungsverzichts unter Wettkampfsportlern würde bei groben Unsportlichkeiten nicht gelten.

Ausschließlich Sache der Berufsgenossenschaft

Dem wollten die Richter des Karlsruher Oberlandesgerichts zwar nicht widersprechen. Sie wiesen die Klage des Eishockeyspielers gleichwohl als unbegründet zurück. Nach Ansicht der Richter sind auf den Fall des Klägers die Grundsätze des Haftungsprivilegs der gesetzlichen Unfallversicherung anzuwenden. Danach haften Arbeitnehmer, die einen Arbeitskollegen im Betrieb verletzen, nur bei Vorsatz.

Regelung gilt auch für Betriebssport

„Dadurch soll einerseits eine doppelte Inanspruchnahme des Arbeitgebers durch Finanzierung der gesetzlichen Unfallversicherung und Regressansprüche des Schädigers wegen gefahrgeneigter Arbeit verhindert werden, andererseits geht es auch darum, Schadenersatz-Streitigkeiten zwischen Betriebsangehörigen zu vermeiden“, so das Gericht. Da diese Regelung auch gilt, wenn Angehörige verschiedener Betriebe auf einer gemeinsamen Betriebsstätte zusammentreffen, ist sie nach Meinung der Richter auch auf Mannschaftssportarten zu übertragen. „Denn würde man das verneinen, so könnten Schmerzensgeld-Prozesse zwischen Spielern gegnerischer Mannschaften das Zusammenspiel erheblich beeinträchtigen.“

Kein Vorsatz

Im Übrigen hat der Beklagte nach Überzeugung des Gerichts nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme nicht vorsätzlich gehandelt. Dem Kläger steht daher auch aus diesem Grund weder ein Schadenersatzanspruch noch ein Schmerzensgeld zu. Denn auch nach Auswertung einer Videoaufzeichnung war dem Beklagten nicht nachzuweisen, dass er bei seiner Aktion eine ernsthafte Verletzung des Klägers in Kauf genommen hatte. Er habe diesen im Eifer des Gefechts vielmehr geschubst und kurz vor der Bande zu Fall gebracht. Dadurch hat er sich zwar eines Regelverstoßes, nicht jedoch einer vorsätzlichen Körperverletzung schuldig gemacht. Das Gericht sah keine Veranlassung, eine Revision zum Bundesgerichtshof zuzulassen.

Häufiger Streitgrund

Streitigkeiten wegen der Verletzung von Sportlern durch Mitspieler landen regelmäßig vor Gericht. Sie gehen nicht in jedem Fall zum Nachteil des Verletzten aus. Um im privaten, aber auch im beruflichen Bereich eigene Ansprüche durchsetzen zu können, oder unberechtigte Forderungen abzuwehren, sind oftmals eine Beratung beim Anwalt sowie eine Gerichtsklage notwendig. Das damit verbundene Kostenrisiko ist allerdings nicht immer unerheblich. Eine passende Rechtsschutz-Police hilft – nicht nur Sportlern –, auch ohne finanzielles Risiko sein Recht durchsetzen zu können. Sie übernimmt unter anderem die Anwalts- und Gerichtskosten zum Beispiel für die Abwehr von unberechtigten Schadenersatz- und Schmerzensgeld-Ansprüchen wie in dem geschilderten Fall, wenn Aussicht auf Erfolg besteht und vorab eine Deckungszusage erteilt wurde. Selbst wenn der Prozess verloren geht, würde der Rechtsschutzversicherer die Kosten tragen. Bei der Wahl des richtigen Rechtsschutzvertrags hilft ein Versicherungsexperte.


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