Gefährlicher Waldspaziergang

Der Bundesgerichtshof hatte darüber zu entscheiden, ob der Besitzer eines Waldes für Verletzungen eines Spaziergängers durch einen hinabstürzenden Ast verantwortlich ist.


22.10.2012 (verpd) Kommt ein Spaziergänger in einem Wald durch einen abbrechenden Ast zu Schaden, so hat er gegenüber dem Besitzer des Waldes keinen Anspruch auf Zahlung von Schadenersatz und Schmerzensgeld. Das gilt selbst dann, wenn der Waldbesitzer beziehungsweise einer seiner Angestellten wusste, dass von dem Baum eine akute Gefahr ausgeht, so der Bundesgerichtshof in einem jüngst veröffentlichten Urteil (Az.: VI ZR 311/11). Eine Frau war bei sehr warmem Wetter und leichtem Wind auf einem Waldweg, als von einer circa fünf Meter neben dem Weg stehenden Eiche ein langer Ast abbrach und sie am Hinterkopf traf. Bei dem Vorfall erlitt sie eine schwere Hirnschädigung. Der Besitzer des Waldes fühlte sich für den Vorfall nicht verantwortlich. Denn nach seiner Rechtsauffassung betreten Spaziergänger einen Wald grundsätzlich auf eigene Gefahr. Er lehnte es daher ab, der Frau ein Schmerzensgeld zu zahlen. Dem schloss sich das in erster Instanz angerufene Landgericht Saarbrücken an. Es wies die Schmerzensgeldklage der Verletzten als unbegründet zurück.

Verletzung der Verkehrssicherungs-Pflicht?

In der Berufungsverhandlung vor dem Saarländischen Oberlandesgericht hatte die verletzte Spaziergängerin mehr Glück. Nach Meinung des Gerichts ist nämlich ein Waldbesitzer, der weiß, dass sein Wald von Spaziergängern aufgesucht wird, zumindest eingeschränkt verkehrssicherungs-pflichtig. Der Besitzer eines Waldes sei daher dazu verpflichtet, bei gelegentlichen Begehungen die am Rand von Erholungswegen stehenden Bäume zu kontrollieren und einzuschreiten, wenn sich Anhaltspunkte für eine unmittelbare Gefährdung von Wanderern und Spaziergängern böten. Nach den Feststellungen des Gerichts war dem Waldbesitzer schon seit Längerem bekannt, dass von der Eiche eine akute Gefahr ausging. Er hätte den Weg daher entweder sperren oder morsche Äste beseitigen lassen müssen.

Wer sich in Gefahr begibt …

Doch dem wollte der von dem Waldbesitzer in Revision angerufene Bundesgerichtshof nicht folgen. Dessen Richter wiesen die Schmerzensgeldklage als unbegründet zurück. Nach den Bestimmungen des Gesetzes zur Erhaltung des Waldes und zur Förderung der Forstwirtschaft (Bundeswaldgesetz) ist es in der Regel jedermann gestattet, einen Wald zu Erholungszwecken zu betreten. Die Benutzung des Waldes erfolgt gemäß Paragraf 14 Absatz 1 BWaldG (Bundeswaldgesetz) jedoch grundsätzlich auf eigene Gefahr. Zweck dieser Bestimmung ist es, dass den Waldbesitzern, die das Betreten dulden müssen, keine besonderen Sorgfalts- und Verkehrssicherungs-Pflichten erwachsen sollen. Ein Waldbesitzer haftet daher nur für solche Gefahren, die im Wald atypisch, das heißt, die nicht als naturbedingt anzusehen sind, so das Gericht.

... muss manchmal die Folgen selbst tragen

Die Gefahr eines Astabbruchs gehört jedoch zu den typischen Gefahren, denen sich ein Besucher eines Waldes aussetzt. Der Spaziergängerin steht daher kein Anspruch auf Zahlung eines Schmerzensgeldes zu. Wenn wie im beschriebenen Fall kein anderer für mögliche Unfallfolgen haftet, ist es grundsätzlich gut eine private Absicherung zu haben. Denn diese kann beispielsweise das Einkommen und damit den Lebensstandard eines Verunfallten sichern. Ein Versicherungsfachmann berät über Vorsorgemöglichkeiten, um im Fall einer längeren Arbeitsunfähigkeit, eines Krankenhausaufenthaltes, einer Berufsunfähigkeit oder auch bei einer bleibenden Invalidität mögliche Einkommensausfälle oder zusätzliche Kosten abdecken zu können.


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