Gesundheitsschädigung durch PC-Arbeit

Zwar gilt die Bürotätigkeit allgemein als ungefährlich, doch auch hier kann es zu chronischen Erkrankungen kommen. Ein Gericht entschied kürzlich, ob diese als Berufskrankheit gelten und entsprechende Leistungen von der Berufsgenossenschaft gezahlt werden müssen.


30.5.2011 (verpd) Erkrankt ein Beschäftigter, der überwiegend mit einem Computer arbeitet, an einer chronischen Sehnenscheiden-Entzündung, so ist in der Regel davon auszugehen, dass es sich um eine Berufskrankheit handelt, für die der Dienstherr beziehungsweise die Berufsgenossenschaft einzustehen hat. Das geht aus einem Urteil des Verwaltungsgerichts Aachen hervor (Az.: 1 K 1203/09). Im vorliegenden Fall war eine Frau seit Jahren als Finanzbeamtin tätig, als sie an einer chronischen Sehnenscheiden-Entzündung ihres rechten Arms erkrankte.

Keine Berufskrankheit?

Als Ursache vermutete ihr Arzt die Tätigkeit der Klägerin, die zu circa 90 Prozent aus ständig wiederkehrenden, gleichförmigen Bewegungen einer PC-Maus sowie an einer Computertastatur bestand. Wegen der Erkrankung war die Klägerin nicht mehr in der Lage, diese Tätigkeit auszuüben. Doch ihren Antrag, die chronische Sehnenscheiden-Entzündung als Berufskrankheit im Sinne von Nr. 2.101 der Berufskrankheitenliste anzuerkennen, wies ihr Dienstherr zurück. Zur Begründung berief er sich darauf, dass eine große Zahl von Bediensteten in gleicher Weise wie die Klägerin Computertastaturen und -mäuse benutzen, ohne an einer Sehnenscheiden-Entzündung zu erkranken. Die Klägerin sei daher keiner besonderen Gefahr einer Erkrankung ausgesetzt gewesen, was Voraussetzung für die Anerkennung einer Berufskrankheit sei.

Hohe Wahrscheinlichkeit

Diese Argumentation konnte das Aachener Verwaltungsgericht nicht überzeugen. Es gab der Klage der Finanzbeamtin auf Anerkennung ihrer chronischen Sehnenscheiden-Entzündung als Berufskrankheit statt. Nach Ansicht des Gerichts war die Klägerin der Gefahr, die streitgegenständliche Erkrankung zu erleiden, in besonderem Maße ausgesetzt. Das wurde auch von einem durch die Richter befragten medizinischen Sachverständigen bestätigt, der es für in hohem Maße wahrscheinlich hielt, dass die Klägerin aufgrund ihrer konkret ausgeübten Tätigkeit an der Sehnenscheiden-Entzündung erkrankte. Bei der Prüfung der Gefährdung kommt es nach Meinung der Richter im Übrigen nicht auf die individuelle gesundheitliche Veranlagung eines einzelnen Beschäftigten an. Maßstab ist vielmehr, ob die Tätigkeit selbst nach einer aus einer Vielzahl von Fällen gewonnenen Erfahrung mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Erkrankung führt. Davon ist nach Überzeugung des Gerichts bei einer durch Computerarbeit verursachten Sehnenscheiden-Entzündung auszugehen.

Eine Frage des Beweises

In der Urteilsbegründung heißt es dazu unter anderem: „Allein die Aufnahme der Sehnenscheiden-Entzündung in die Berufskrankheitenliste spricht somit dafür, dass der Verordnungsgeber angenommen hat, dass es einen Personenkreis gibt oder geben kann, der für diese Erkrankung besonders anfällig ist. Dass es bisher nur wenige Bedienstete gibt, die sich unmittelbar auf die Bedienung der PC-Maus und der PC-Tastatur als Ursache für ihre Erkrankung berufen, dürfte dem Umstand geschuldet sein, dass der mögliche Ursachenzusammenhang noch nicht allgemein bekannt ist und die Anerkennung zahlenmäßig deshalb erst am Anfang steht.“ Die Möglichkeit, dass sich die Klägerin die Erkrankung außerhalb ihrer Dienstzeit zugezogen und daher nicht als Berufskrankheit anzuerkennen ist, hat ihr Dienstherr zu beweisen. Einen solchen Beweis ist er schuldig geblieben. Der Klage war daher stattzugeben.


< Einfacher Schutz gegen schwere Infektion

Nehmen Sie Kontakt auf

Gerne beantworten wir alle Ihre Fragen – rufen Sie uns dazu einfach an oder schicken uns eine kurze Nachricht.

SHL Gruppe

Elsenheimerstr. 49
80687 München

Telefon +49 (0)89 769 772-0
Telefax +49 (0)89 769 772-99

info@shlgruppe.de