Mangelnder Service mit teuren Folgen

Ist eine Kfz-Werkstatt zum Schadenersatz verpflichtet, wenn sie es versäumt, einen Kunden im Rahmen einer Kurzinspektion auf die Notwendigkeit eines demnächst anstehenden Zahnriemenwechsels hinzuweisen?


11.4.2011 (verpd) Hat ein Kunde einer Kfz-Werkstatt sein Auto zu einer Inspektion überlassen, so ist diese dazu verpflichtet, ihn auf die Notwendigkeit einer demnächst anstehenden Überprüfung wichtiger Teile hinzuweisen. Diese Verpflichtung gilt auch dann, wenn sich das Fahrzeug lediglich zu einer Kurzinspektion – einem sogenannten Winter- beziehungsweise Frühjahrscheck – in der Werkstatt befunden hat, so das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein in einem kürzlich getroffenen Urteil (Az.: 4 U 171/09). Eine Fahrzeugbesitzerin hatte ihren Pkw bei einem Tachostand von knapp 58.400 Kilometern einem von ihrer Werkstatt zum Pauschalpreis angebotenen Kurzcheck unterziehen lassen. Dabei wurden die Lampen, das Kältemittel, die Scheibenwischer sowie der Luft- und Ölfilter überprüft und auf Wunsch auch die Reifen getauscht.

Kapitaler Motorschaden

Darauf, dass bei einem Kilometerstand von 60.000 eine vom Hersteller empfohlene Überprüfung und gegebenenfalls ein Austausch des Zahnriemens anstand, wurde die Klägerin von ihrer Werkstatt nicht hingewiesen. Im Gegenteil. Auf dem Inspektionsbogen hatte der mit der Inspektion betraute Mechaniker im Feld „Steuerriemenwechsel fällig“ ausdrücklich „Nein“ angekreuzt. Knapp ein halbes Jahr später riss der Zahnriemen, wodurch ein kapitaler Motorschaden entstand. Die Klägerin machte ihre Werkstatt für den Schaden verantwortlich. Nach ihrer Meinung wäre diese nämlich dazu verpflichtet gewesen, sie auf die demnächst anstehende Notwendigkeit einer Überprüfung und gegebenenfalls eines Austausches des Zahnriemens hinzuweisen.

Sache der Klägerin?

In dem sich anschließenden Rechtsstreit verteidigte sich die Werkstatt damit, dass die Angaben in dem Inspektionsbogen auf den Augenblick bezogen seien. Sie sei nicht dazu verpflichtet, einen Kunden auf demnächst anstehende Arbeiten hinzuweisen. Es wäre vielmehr Sache der Klägerin gewesen, die vom Hersteller empfohlenen Inspektionsintervalle einzuhalten. Doch dem wollte das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht nicht folgen. Es gab der Schadenersatzklage der Autofahrerin in vollem Umfang statt.

Teures Versäumnis

Nach Auffassung der Richter gehört es zu den Pflichten einer Kfz-Werkstatt, ihre Kunden im Rahmen einer Inspektion auf solche Maßnahmen hinzuweisen, deren Notwendigkeit unmittelbar bevorsteht. Das gilt auch bei Kurzinspektionen, bei denen üblicherweise nur wenige Dinge überprüft werden. Als unmittelbar bevorstehend sind nach Meinung des Gerichts Arbeiten anzusehen, welche in einem Zeitraum von weniger als drei Monaten oder innerhalb einer Laufzeit von 5.000 Kilometern nach der Inspektion anstehen. Da es die beklagte Werkstatt versäumt hat, der Klägerin einen entsprechenden Hinweis zu geben, wurde sie dazu verurteilt, die Kosten für einen Austauschmotor einschließlich Zahnriemen und Spanner zu übernehmen.

Rechtliche Möglichkeiten bei Werkstattpfusch

Wie der Fall zeigt, muss man sein Recht notfalls vor Gericht einklagen. Die anfallenden Rechtsanwalts- und Gerichtskosten können allerdings hoch sein. Hat man jedoch eine Verkehrsrechtsschutz-Police, übernimmt diese gegebenenfalls die Kosten für die Durchsetzung von Schadenersatz-Ansprüchen und die Klärung bei Vertragsproblemen im Kfz-Bereich, beispielsweise mit der Werkstatt. Auch andere Verkehrsstreitigkeiten die Klärung der Schuldfrage nach einem Verkehrsunfall oder die Verteidigung in einem Verkehrsordnungs-Widrigkeitenverfahren – mit Ausnahme von Park- und Halteverstößen – sind mit einer Verkehrsrechtsschutz-Versicherung abgedeckt. Mehr Informationen dazu gibt es vom Versicherungsfachmann.


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