Sicherheits-Check für ältere Autofahrer

Im Alter sind gesundheitliche Beeinträchtigungen keine Seltenheit. Da diese meist schleichend eintreten, werden sie von den Betroffene erst spät erkannt. Im Straßenverkehr kann dies fatale Folgen haben. Welche Maßnahmen helfen, damit Senioren bis ins hohe Alter sicher Autofahren.


6.1.2014 (verpd) Zwar steigt das statistische Risiko, in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden, erst ab einem Alter von 75 Jahren stark an. Doch gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Seh- und Gehörschwächen oder ein nachlassendes Reaktionsvermögen, die die Fahrtüchtigkeit einschränken, treten häufig schon in jüngeren Jahren schleichend und damit teils unbemerkt auf. Verkehrs- und Gesundheitsexperten empfehlen daher bereits bestimmte Untersuchungen ab dem 40. Lebensjahr. Knapp zwei Millionen Bürger im Alter von 75 bis 84 Jahren besitzen aktuell ein Auto. Allerdings zeigt eine aktuelle Umfrage des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) unter fast 2.500 Bürgern mit Angehörigen über 65 Jahren, dass 41 Prozent, das ist weit mehr als jeder Dritte, besorgt sind, wenn ein älteres Familienmitglied mit dem Auto fährt. Als Hauptgründe, warum viele ein ungutes Gefühl haben, wenn ältere Angehörige hinterm Steuer sitzen, nannten 56 Prozent der Befragten das hohe Alter des Familienmitglieds. Je 43 Prozent begründeten ihre Besorgnis wegen Fahrfehlern beziehungsweise gesundheitlichen Leiden und Medikamenteneinnahmen des Angehörigen. Tatsächlich können zahlreiche teils altersbedingte Leiden, wie eine Verschlechterung des Steh- und Hörvermögens, das Nachlassen der Reaktionsfähigkeit, eine eingeschränkte Beweglichkeit, aber auch Krankheiten oder Medikamenteneinnahmen die Fahrtüchtigkeit einschränken.

Sensibilisierung der Betroffenen

Für Angehörige ist es nicht immer leicht, die betroffenen Älteren darauf hin anzusprechen. Bei der Umfrage stellte sich heraus, dass 67 Prozent der Befragten ihre Familienmitglieder darauf angesprochen haben. 25 Prozent der Angesprochenen wollten von dem Thema nichts wissen und 35 Prozent fanden die Sorge ihrer Angehörigen übertrieben. Zumindest 36 Prozent standen der Problematik aufgeschlossen gegenüber. „Sensibilität und Sachlichkeit sind bei einem solchen Gespräch besonders gefragt“, betont der Verkehrspsychologe Professor Dr. Heinz Jürgen Kaiser. Der DVR rät Angehörigen, nicht „gleich mit der Tür ins Haus zu fallen“, sondern lieber eine passende Gelegenheit wie Fernseh- oder Zeitungsberichte zum Anlass zu nehmen, um über das Thema Fahrtüchtigkeit im Alter zu sprechen. Kaiser rät: „Die Botschaft sollte lauten: Ich unterstütze dich dabei, so lange wie möglich mobil zu sein, mache mir aber auch Sorgen um deine Gesundheit.“ Wenn ein solches Gespräch keine Wirkung zeigt, kann man sich beispielsweise auch an den Hausarzt wenden. Eine frühere Umfrage des DVR kam zu dem Ergebnis, das rund zwei Drittel aller Senioren auf den Ratschlag ihres Arztes zum Thema „eigene Fahrtüchtigkeit“ hören würden.

Regelmäßige Checks für die Sicherheit

Experten sind sich einig, dass regelmäßige Gesundheitschecks von Kfz-Fahrern einen wichtigen Beitrag für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer leisten könnten. Gesundheits- und Verkehrsspezialisten raten diesbezüglich allen, ab einem Alter von 40 Jahren einen jährlichen Sehtest durchführen zu lassen. Ab dem 60. Lebensjahr sollten Autofahrer regelmäßig ihr Reaktionsvermögen, die Funktion von Herz, Leber und Nervensystem sowie alle zwei Jahre ihr Gehör überprüfen lassen. Unabhängig vom Alter ist es für alle, die an einer chronischen Krankheit leiden und/oder Medikamente einnehmen müssen, unabdingbar, abzuklären, inwieweit dies die Fahreignung einschränkt.

Aktion „Schulterblick“

Der DVR und das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung wollen mit der „Aktion Schulterblick“ auf die Notwendigkeit freiwilliger Gesundheitschecks für ältere Autofahrer aufmerksam machen und haben diesbezüglich kostenlos herunterladbare Broschüren mit dem Titel „Fit und Auto-mobil“ und „Sicher mobil“ herausgebracht. Neben zahlreichen Informationen, Tests und Checklisten werden diverse Übungen, aber auch kostenlose Seminare angeboten. Die dort beschriebenen Trainings und Seminare wenden sich insbesondere an über 50-jährige Autofahrer. Durchgeführt werden sie vom DVR, den Verkehrswachten, den Automobilclubs und anderen Organisationen. Die Adressen sind in der letztgenannten Broschüre enthalten. Im Webauftritt der Kampagne „Aktion Schulterblick“ gibt es zudem einen Online-Selbsttest, bei dem man selbst das Sehen, die Informations-Verarbeitung und die Gedächtnisleistung testen kann. Die Tests in den Broschüren und im Internet können zeigen, ob mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen vorliegen, die die Fahrtüchtigkeit einschränken. Im Zweifelsfall, beispielsweise ob eine Seh- oder Gehörschwäche vorliegt, sollte unbedingt ein Arzt für eine zuverlässige Diagnose konsultiert werden.


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