Wenn der Beruf krank macht

Jedes Jahr besteht bei 60.000 bis 70.000 Personen der Verdacht, dass sie an einer Berufskrankheit leiden, doch nicht einmal ein Viertel fällt unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung und weniger als jeder Zehnte erhält eine entsprechende Rente.


10.4.2012 (verpd) Ist eine Erkrankung beruflich verursacht oder als solche offiziell bereits anerkannt, erhalten betroffene Arbeitnehmer im Rahmen der gesetzlichen Unfallversicherung diverse Leistungen. Doch eine Anerkennung einer Krankheit als Berufskrankheit ist schwierig, wie aktuelle Zahlen belegen. Wie die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) mitteilte, wurden im Jahre 2010 von den 69.186 Fällen, die zur Anerkennung als Berufskrankheit anstanden, lediglich 15.431 als Berufskrankheit anerkannt. Davon bekamen 6.123 eine Rente wegen Vorliegen einer Berufskrankheit. Bei 15.758 Personen wurde entweder festgestellt, dass die berufliche Verursachung fehlt, oder die versicherungs-rechtlichen Voraussetzungen für eine Leistung der gesetzlichen Unfallversicherung nicht gegeben sind. Bei den restlichen 37.967 Kranken lag nach Angaben der DGUV keine Berufserkrankung vor.

Wann eine Berufskrankheit vorliegt

Eine Krankheit wird nur als Berufskrankheit anerkannt, wenn sich diese ein Patient durch seine berufliche Tätigkeit zuzieht und die Krankheit entweder in der Berufskrankheiten-Verordnung verzeichnet oder diese nach neuen medizinischen Erkenntnissen durch den Beruf verursacht wurde. Erkrankungen werden gemäß Paragraf 9 SGB VII (Siebtes Sozialgesetzbuch) nur als Berufskrankheiten bezeichnet, „die nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft durch besondere Einwirkungen verursacht sind, denen bestimmte Personengruppen durch ihre versicherte Tätigkeit in erheblich höherem Grade als die übrige Bevölkerung ausgesetzt sind“. Die Berufskrankheitenliste umfasst derzeit 73 Krankheitstatbestände.

Die Vorgehensweise

Wer glaubt, an einer Berufskrankheit zu leiden, sollte zu seinem Hausarzt oder einem Facharzt gehen, um die Symptome abzuklären. Dieser kann in der Regel auch eine erste Einschätzung zu den möglichen Krankheitsursachen geben. Besteht der Verdacht, dass es sich um eine Berufskrankheit handeln könnte, kann der Arzt eine entsprechende Meldung in Form einer Berufskrankheiten-Verdachtsanzeige an die zuständige Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse schicken. Auch der Erkrankte selbst kann sich formlos dahin wenden. Nachdem der Unfallversicherungs-Träger die Meldung erhalten hat, prüft dieser, ob die Erkrankung tatsächlich von den Arbeitsbedingungen verursacht wurde. Befragungen, aber auch fachärztliche Gutachten des Betroffenen sind möglich. Die Ermittlungen insbesondere zu den Verhältnissen am Arbeitsplatz nehmen nach Aussagen des DGUV oft viel Zeit in Anspruch.

Rente wegen Berufskrankheit

Wird festgestellt, dass eine Berufskrankheit vorliegt und besteht für den Betroffenen Schutz in der gesetzlichen Unfallversicherung erhält er vom Unfallversicherungs-Träger Leistungen für die medizinische Versorgung bis hin zur beruflichen Reintegration. Hat die Berufskrankheit eine körperliche Beeinträchtigung zur Folge, welche die Erwerbsfähigkeit um mindestens 20 Prozent mindert, erhalten die Betroffenen je nach Grad der Erwerbsminderung eine Voll- oder Teilrente. Bei 100 Prozent Erwerbsunfähigkeit beträgt die Vollrente jedoch maximal zwei Drittel des Jahresverdienstes. Beispiel: Bei einem Jahresarbeitsverdienst von 36.000 Euro würde die Vollrente bei einer 100-prozentigen Erwerbsminderung zwei Drittel betragen, also 24.000 Euro jährlich beziehungsweise 2.000 Euro im Monat.

Nur die Erwerbsfähigkeit zählt, nicht der bisherige Beruf

Bei einer teilweisen Minderung der Erwerbsfähigkeit richtet sich die Rente nach dem Grad der Erwerbsminderung. Beispiel: Bei einem Jahresverdienst von 36.000 Euro und einer Minderung der Erwerbsfähigkeit um 20 Prozent würde die Jahresrente 20 Prozent von zwei Drittel des Jahresverdienstes betragen. Bei einem Jahresverdienst von 36.000 Euro wären dies 20 Prozent von 4.800 Euro im Jahr – also 400 Euro im Monat. Kann man aufgrund der Unfallfolgen zwar seinem bisherigen Beruf nicht mehr nachgehen, ist aber immer noch in einer anderen, auch weniger gut bezahlten Tätigkeit einsetzbar, steht allen, die nach dem 1. Januar 1961 geboren sind, keine gesetzliche Rente zu.

Begrenzte gesetzliche Absicherung

Wie die Statistiken zeigen, gibt es einige Hürden, damit das Vorliegen einer Berufskrankheit im Einzelfall anerkannt wird. Und selbst wenn eine Anerkennung erfolgt, muss man mit Einbußen im Vergleich zum bisherigen Einkommen rechnen. Die private Versicherungswirtschaft bietet zahlreiche Lösungen an, um sowohl einen fehlenden gesetzlichen Versicherungsschutz als auch die eventuell durch Unfall oder Krankheit auftretenden Einkommenslücken abzusichern. Zu nennen sind hier eine private Unfall-, eine Erwerbs- oder Berufsunfähigkeits- oder auch eine Krankentagegeld-Versicherung. Ein Versicherungsfachmann hilft, den individuell passenden Versicherungsumfang zu finden.


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