Wenn Naturereignisse die Reise stören

Wer wegen höherer Gewalt Schwierigkeiten hat, sein Reiseziel zu erreichen, muss sich wegen den Zusatzkosten oft mit dem Reiseveranstalter herumstreiten. Ein Gerichtsurteil zeigt, was einem Reisenden in so einem Fall tatsächlich zusteht.


6.6.2011 (verpd) Wird ein Flug annulliert und der Fluggast mit seinem Einverständnis zu einem anderen Flughafen in nächstmöglicher Nähe befördert, so hat er Anspruch auf Zahlung der Kosten für die Weiterbeförderung zu seinem ursprünglichen Reiseziel. Das hat das Amtsgericht Rüsselsheim in einem aktuellen Urteil entschieden (Az.: 3 C 1698/10). Der Entscheidung lag die Klage eines Ehepaars zugrunde, das im Frühjahr letzten Jahres einen Hin- und Rückflug von Düsseldorf nach Fuerteventura gebucht hatte.

Vulkanausbruch

Während der Hinflug ohne Probleme verlief, wurde der Rückflug wegen des Ausbruchs des Isländischen Vulkans Eyjafjallajökull ersatzlos gestrichen. Das Ehepaar hatte noch Glück, denn es saß auf der Insel in seinem eigenen Ferienhaus fest. Nach etlichen vergeblichen Versuchen gelang es den Klägern am dritten Tag nach dem eigentlich geplanten Rückflug die Fluggesellschaft zu kontaktieren. Diese bot dem Ehepaar zwar einen unverzüglichen Rückflug nach Deutschland, nicht aber nach Düsseldorf an. Die Kläger landeten stattdessen in Berlin-Schönefeld.

Mehraufwand durch zusätzliche Wege und Verpflegung

Die Weiterfahrt nach Düsseldorf mussten die Urlauber selber organisieren. Dadurch entstanden ihnen Bahnkosten in Höhe von rund 200 Euro. Diese machten sie zusammen mit den Verpflegungskosten für die drei Tage, die sie länger auf Fuerteventura verbringen mussten, gegenüber der Fluggesellschaft geltend. Mit dem Hinweis darauf, dass der Flugausfall durch höhere Gewalt entstanden war, weigerte sich die Airline, die Kosten zu übernehmen. Die Kläger hätten allenfalls einen Anspruch auf Erstattung der Flugkosten, die aber bereits in Form der Beförderung nach Berlin erfolgt sei.

Kein Anspruch auf Ausgleichszahlungen, aber …

Doch dem wollte das Rüsselsheimer Amtsgericht nicht folgen. Es gab der Klage des Ehepaars auf Erstattung der ihm zusätzlich entstandenen Reise- und Verpflegungskosten statt. Eine Fluggesellschaft ist nach Ansicht des Gerichts zwar nicht dazu verpflichtet, sogenannte Ausgleichszahlungen zu leisten, wenn ein Flug wegen eines Naturereignisses annulliert werden muss. Die betroffenen Passagiere haben in solchen Fällen jedoch einen Anspruch auf die Übernahme zusätzlich entstehender Reise- und Verpflegungskosten.

Das Recht beim Reisen

Die Verpflegungskosten konnte das Ehepaar zwar nicht belegen. Das Gericht hielt jedoch einen Betrag von 50 Euro pro Person und Tag für angemessen. Zusätzliche Informationen über die Rechte von Reisenden infolge von Flugausfällen aufgrund von Vulkanasche sind auf der Internetseite des Bundesjustiz-Ministeriums zu finden. Weitere Auskünfte über die allgemeinen Rechte, die ein Urlauber bei zu beklagenden Reisemängeln hat, gibt es auch online beim Bayerischen Staatsministerium der Justiz und für Verbraucherschutz.

Gerichtliche Durchsetzung

Wer eine Privat- und Berufsrechtsschutz-Versicherung hat, kann auch ohne Angst vor den anfallenden Rechtsanwalts-, Sachverständigen- und Gerichtskosten sein Recht notfalls gerichtlich durchsetzen. Hier ist in der Regel automatisch ein sogenannter Vertragsrechtsschutz mit eingeschlossen. Dieser deckt nicht nur Streitigkeiten aus Reiseverträgen, sondern auch aus anderen Alltagsverträgen, beispielsweise Kaufverträge von Ge- und Verbrauchsgütern wie Möbel, Elektrogeräte oder Kleidung sowie Reparaturaufträge, ab. Darüber hinaus übernimmt eine solche Rechtsschutz-Police im Versicherungsfall auch die Verteidigungskosten für zahlreiche andere Streitigkeiten. Mehr Informationen hierzu gibt es bei einem Versicherungsexperten.


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