Wie eine Hepatitis-Infektion zum Berufsunfall werden kann

In einem Gerichtsverfahren ist über die Frage entschieden worden, unter welchen Voraussetzungen die gesundheitlichen Folgen einer verunglückten Bluttransfusion durch die gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt sind.


6.6.2011 (verpd) Kann mit hinreichender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass ein Versicherter nach einem Arbeitsunfall durch eine verseuchte Bluttransfusion an Hepatitis erkrankt ist, so steht ihm eine höhere Verletztenrente zu. Das geht aus einer Mitteilung des Hessischen Landessozialgerichts zu einem Urteil des Sozialgerichts Gießen aus dem Jahr 2007 (Az.: S 1 U 193/05) hervor, das jetzt nach Rücknahme der Berufung endgültig Rechtskraft erlangt hat. Dem Fall lag die Klage eines Bauarbeiters zugrunde, der im Jahr 1962 einen schweren Arbeitsunfall erlitten hatte. Der Unfall machte mehrere Bluttransfusionen erforderlich.

Chronische Hepatitis

Anfang der 1980er Jahre wurden bei dem Kläger erhöhte Leberwerte und im Jahr 2003 schließlich eine chronische Hepatitis-C-Infektion festgestellt. Der Erkrankte war der Ansicht, dass die Bluttransfusionen Ursache für die Hepatitis-Erkrankung waren. Er verlangte daher von seiner Berufsgenossenschaft die Zahlung einer höheren Verletztenrente. Die Berufsgenossenschaft bestritt hingegen einen Zusammenhang zwischen den Transfusionen und der Hepatitis. Sie lehnte es daher ab, dem Begehren des Klägers nachzukommen.

Jahrelanger Streit

Nachdem der Mann Klage beim Sozialgericht Gießen auf Anerkennung seiner Erkrankung als weitere Folge seines Arbeitsunfalls eingereicht hatte, wurde die Berufsgenossenschaft mit Urteil vom 19. Januar 2007 dazu verurteilt, ihm eine erhöhte Verletztenrente zu zahlen. Doch diesen Richterspruch wollte die Berufsgenossenschaft nicht akzeptieren. Sie legte daher Berufung beim Hessischen Landessozialgericht ein. Nach einem jahrelangen Streit fand die Sache dort jetzt ein Ende. Der gesetzliche Unfallversicherer zog seine Berufung zurück. Das Gericht hatte zuvor mehrere Sachverständigen-Gutachten eingeholt. Aus diesen ging für die Richter mit hinreichender Wahrscheinlichkeit hervor, dass die Bluttransfusionen nach dem Unfall des Klägers tatsächlich die Ursache für seine Hepatitis-Infektion waren.

Keine anderen Ursachen

Denn bis zur Einführung einer generellen Untersuchung von Spenderblut Mitte der 1990er Jahre waren Bluttransfusionen die weitaus häufigste Ursache für eine Hepatitis-C-Erkrankung, so das Gericht. Andere Ursachen, wie zum Beispiel ein Aufenthalt des Klägers in Entwicklungsländern, der berufliche Umgang mit Hepatitis-Infizierten oder Drogenkonsum hielten die Richter in seinem Fall für praktisch ausgeschlossen. Nachdem sie den Vertretern der Berufsgenossenschaft signalisiert hatten, die Berufung als unbegründet zurückweisen zu wollen, wurde sie von diesen zurückgenommen. Der Fall ist dadurch rechtskräftig mit der Folge, dass dem Kläger die jahrelang vorenthaltene erhöhte Unfallrente nachgezahlt werden muss, allerdings unverzinst. Denn nach Auskunft des Hessischen Landessozialgerichts hat der Gesetzgeber für derartige Fälle keine Zinszahlungen vorgesehen.

Den Lebensstandard halten

Wer sichergehen will, dass bei Unfall oder Krankheit keine Einkommensbußen entstehen, sollte sich auch privat absichern. Zum einen gibt es keine Leistungen von der Berufsgenossenschaft bei Krankheit oder Unfällen, die nicht ursächlich auf die Berufstätigkeit zurückzuführen sind. Zum anderen entstehen trotz möglicher gesetzlicher Absicherungen, beispielsweise durch die gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung, oftmals hohe Lücken zwischen dem bisherigen Nettoeinkommen und den dann gezahlten Leistungen der Sozialversicherungen. Eine private Krankentagegeld-Versicherung kann mögliche Einkommenseinbußen bei unfall-, aber auch sonstiger krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit ausgleichen. Für den Fall, dass aufgrund gesundheitlicher Probleme der Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann, ermöglicht eine private Berufsunfähigkeits-Versicherung den bisherigen Lebensstandard zu halten. Ein Versicherungsfachmann kann helfen, den individuell passenden Versicherungsumfang zu finden.


< Wichtiges vor der Reise

Nehmen Sie Kontakt auf

Gerne beantworten wir alle Ihre Fragen – rufen Sie uns dazu einfach an oder schicken uns eine kurze Nachricht.

SHL Gruppe

Elsenheimerstr. 49
80687 München

Telefon +49 (0)89 769 772-0
Telefax +49 (0)89 769 772-99

info@shlgruppe.de